Schwimmbad 1952

So war es früher

... wenn man Glück hatte! ( Detlef Tront erinnert sich ) :

Die Vorzüge und Annehmlichkeiten eines beheizten und mit einer Umwälzanlage ausgestatteten Schwimmbades lernt man leichter zu schätzen, wenn man die Umstände kennt, die vor der Modernisierung 1970 für die erfrischungsuchenden Badegäste herrschten.

Eingang vom alten Schwimmbad
Für uns Kinder war es damals eine der schönsten Freizeitbeschäftigung, nach der Schule an heißen Sommertagen " in die Badeanstalt " zu gehen.
Wie furchtbar enttäuschend war es an manchen Tagen, wenn Freunde die schon eher Schule aus hatten, einem auf halben Wege entgegenkamen und schon aus einiger Entfernung riefen: "Könnt umkehr'n, is' abgelassen!"

ABGELASSEN, dieses Wort hatte immer dann seine unheilvolle Daseinsberechtigung, wenn der Bademeister, trotz reichlicher Behandlung des Wassers mit Chlormilch, die hygienischen Verhältnisse des Wassers nicht mehr vertreten konnte. Aus dem sonst sauberen Badewasser wurde nämlich im Laufe der Zeit, je nach Witterung früher oder später, eine mehr oder weniger grüne Flüssigkeit, die selbst hartgesottene Badegäste davon abhielt, Erfrischung im Freibad zu suchen. Im Gegensatz zu natürlichen Teichen fehlt in solch einer großen "Badewanne" natürlich der Selbstreinigungseffekt durch die Wasserpflanzen. So wurde alle drei bis vier Wochen "ABGELASSEN".

Wenn das "Große" dann entleert war, fand man am Grund eine Masse aus Schmutz, Laub und anderem Dreck. Aber auch so einiges an Geldmünzen, die aus der Badebekleidung der Gäste in die undurchdringlichen Tiefen entschwanden. ( Wie mir der ehem. Bademeister [ entschuldigung, heutzutage heißt das: FACHANGESTELLTER FÜR BÄDERTECHNIK ] Jockel mit glänzenden Augen erzählte: "Das war manchmal zusammen 25 Mark, die wir damals mit dem Wasserschlauch aus dem Dreck gespült haben, damals viel Geld!")

Als dann das, damals ungeflieste, Betonbecken gereinigt war, ging es wieder an das Einlassen. Das Wasser hierfür kam direkt aus der nahen Oder und wurde gefördert aus einem, jetzt nicht mehr existierenden Pumpenhäuschen. Das dauerte dann 2 bis 2½ Tage. Der Einlaß für das Frischwasser befand sich an der Südseite. Das Frischwasser lief naturgemäß durch ganze Becken und füllte zuerst die 3,5 m tiefe Sprunggrube an der Nordseite. Da konnte man schon wieder, natürlich nur planschen, aber es war sehr kalt. Auch machte es viel Spaß, die Schrägen in das nächst tiefere hinabzurutschen, sehr zum Leidwesen der Mütter ( "Du brauchst ja schon wieder eine neue Badehose, total durchgerutscht, wie machst du das?" ). Nach und nach füllte sich dann das Becken und die heile "Hattorfer Welt" war wieder hergestellt ,

... bis zum nächsten ABLASSEN !


Weitere Erinnerungen aus der Festzeitschrift:

[ 50 Jahre Schwimmbad Hattorf ]


 
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